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Produzenten (Erzeuger), Konsumenten (Verbraucher) und Destruenten (Zersetzer) in der Natur

Ein Lebensraum, wie beispielsweise ein Wald, Sumpf oder Weiher, bildet mit seiner gesamten Organismengemeinschaft einschließlich der auf sie einwirkenden Umweltfaktoren ein sogenanntes Ökosystem. Es erweist sich stets als ein offenes System, das mit benachbarten Ökostystemen in einem ständigen Energie-, Stoff- und Organismenaustausch steht. So ist ein Weiher mit der angrenzenden Wiese und dem Wald vielschichtig verzahnt. Über einen kleinen Quellzufluss werden z.B. Stoffe zugeführt, andere vom Wind herangetragen oder verweht und durch Regen eingeschwemmt. 
Weiher mit angrenzendem Wald - schöne Natur


Nach dem Schlüpfen halten sich Libellen, Köcherfliegen, Mücken und andere flugfähigen Wasserinsekten in der näheren oder weiteren Umgebung des Gewässers auf, zur Laichzeit wandern zahlreiche Erdkröten und Grasfrösche zu, ihre metamorphosierten Jungtiere verlassen den Weiher, Zugvögel fallen zur Rast ein. Diese Reihe ließe sich leicht fortsetzen. Solange keine wesentlichen Milieuänderungen auftreten, bleibt das komplexe Wirkungsgefüge eines natürlichen, unbelasteten Ökosystems durch sein Selbstregulationsvermögen erhalten. Auf und Abbauprozesse, Angebot und Nachfrage, Werden und Vergehen gleichen sich weitgehend aus.
große Erdkröte - in Gewässer laichende und lebende Tiere


Innerhalb des Ökosystems sind die einzelnen Komponenten durch den Kreislauf der Stoffe und den Energiefluss wechselseitig verbunden. Unabhängig von ihrer systematischen Stellung und der Zugehörigkeit zum Pflanzen- oder Tierreich lassen sich alle Organismen des Ökosystems hinsichtlich ihrer Rolle beim biogenen Stoffumsatz in drei große Gruppen einteilen, in Produzenten (Erzeuger), Konsumenten (Verbraucher) und Destruenten (Zersetzer).
süße Tiere Rehe versteckt in der Pflanzenwelt des Waldes


Die grünen Pflanzen bauen mit Hilfe der Sonnenenergie – einige Bakterienarten mittels Chemoenergie – aus anorganischen Stoffen (Wasser, Kohlendioxid, Mineralien) energiereiche organische Substanzen auf. Sie alle sind Produzenten (Primär-, Urproduzenten) und damit Ausgangspunkt und Motor des Stoff- wie Energietransportes. Zu den Konsumenten gehört natürlich die überwiegende Mehrzahl der Tiere. Bei der weiteren Untergliederung dieser riesigen Verbrauchergruppe werden die Pflanzenfresser als Primärkonsumenten von Sekundärkonsumenten, d.h. den Verzehrern tierischer Substanzen unterschieden. Im Weiher leben von Primärproduzenten z.B. viele Phytoplankton fressende Kleinkrebse und Wappenrädertiere. Diese fallen wiederum verschiedenste Sekundärkonsumenten, wie Karpfen oder anderen Friedfischen zum Opfer, die ihrerseits vom Hecht gefressen werden können. Häufig steht auch der Mensch am Ende einer solchen Nahrungskette. Primär- und Sekundärkonsumenten lassen sich allerdings nicht scharf voneinander abgrenzen. So können manche Herbivoren zeitweilig tierische und umgekehrt manche Karnivoren gelegentlich pflanzliche Substanzen verzehren. Eine Zwischenstellung nehmen die allesfressenden Tiere ein. Aber auch Parasiten und Symbionten sprengen diese Grenzen.
Hecht - große Fische, Raubfische im Wasser


Für den Abbau der abgestorbenen pflanzlichen und tierischen Substanzen sowie der tierischen Exkremente sorgen die Destruenten (Zersetzer). Sie lassen sich im weitesten Sinn in zwei große Gruppen aufteilen, in Abfallfresser (Saprovoren), zu denen z.B. Milben, viele besonders im Gewässerschlamm lebenden Insektenlarven, Glieder- und Fadenwürmer gehören, und Mineralisierer, wie Pilze und Bakterien. Über den mikrobiellen Abbau schließt sich der Kreislauf der Stoffe. Die freigesetzten anorganischen Stoffe stehen somit wieder den Produzenten zur Verfügung.
Pilze und Bakterien


Im Gegensatz zu dem in stehenden Gewässern mehr oder weniger geschlossenen Kreislauf des biogenen Stofftransports unterliegt die durch die Primärproduzenten gebundene Energie nur einem Energiefluss. Sie durchläuft unter ständigem Verlust die einzelnen Glieder der Nahrungskette. Durch Atmung und Ausscheidungsprozesse gehen auf jeder Ernährungsstufe etwa 80 bis 90 % der aufgenommenen Energie verloren. Daraus folgt, dass sich mit zunehmender Länge einer Nahrungskette auch die „Abschreibungssumme“ an Energie weiter erhöht.
stehende Gewässer - schöner See mit Bergen und Wald


Schon aus der groben Kenntnis der engen Verknüpfungen und des Zusammenspiels aller Prozesse heraus wird deutlich, dass jeder Eingriff in ein Gewässer, wie z.B. See, Weiher, oder Teich, der nicht rasch durch Selbstregulation beseitigt werden kann, entsprechende Auswirkungen bis zu den Einzelabläufen zeigen muss. Zu den markantesten Beispielen der Vergangenheit und Gegenwart zählen die verschiedenen ins Gewässer gelangten Giftstoffe und selbstverständlich das Eutrophierungsproblem. Aus der Fülle der giftigen Stoffe wollen wir nur die Biozide herausgreifen. Dieser Sammelbegriff umfasst – etwa gleichartig wie die englische Fachbezeichnung „Pestizide“ - alle gegen Schadorganismen angewandten chemischen Mittel. Ihre weitere Unterteilung erfolgt im Hinblick auf die zu bekämpfende Zielgruppe. So wenden sich Molluskizide gegen Mollusken, Insektizide gegen Insekten, Algizide gegen Algen, Fungizide gegen Pilze usw. Der Einsatz der chemisch sehr verschiedenartigen Bioziden Stoffe ist auch gegenwärtig noch eine unabdingbare Folge der steten Höherentwicklung unserer Lebensansprüche. Zur Vermeidung von Ernteverlusten, Erhaltung der Wälder sowie bei der Krankheits- und Seuchenbekämpfung kann auf ihre Anwendung nicht verzichtet werden. 
schöner Wald im Herbst - Tolle Herbstbilder


Unter den Insektiziden sind die chlorierten Kohlenwasserstoffe wegen des breiten Wirkungsspektrums, ihrer langen Wirkungsdauer, ziemlich guten Fettlöslichkeit und der dadurch bedingten Anreicherung in den Nahrungsketten ökologisch relevante Substanzen. Die bekannteste von ihnen ist sicherlich das 1940 in Basel als Schädlingsbekämpfungsmittel patentierte DDT (p-Dichlordiphenyltrichloräthan). Dass zur Bekämpfung der verbreitetsten und häufigsten menschlichen Infektionskrankheiten, der Malaria, diente. Eine Tatsache, die nicht hoch genug zu bewerten ist, da gegenwärtig rund 800 Millionen Menschen in „Malaria-Gebieten“ leben. Wie seit längerer Zeit bekannt ist, ist DDT – gleiches gilt für viele andere Biozide - gegen mikrobiellen bzw. anderweitigen chemischen Abbau außerordentlich widerstandsfähig. Durch Niederschläge, Wasserströmungen und Wind wird es weit über den Einsatzort hinaus verbreitet. 
Niederschlag - Regen und Gewitter mit Sturm und Blitz - schöne Unwetterbilder


So konnte DDT in Meeresfischen und -säugern, ja sogar in der Antarktis im Fettgewebe von Pinguinen nachgewiesen werden. Über die Nahrungskette kommt es zu einer beachtlichen Akkumulation, wobei die Endglieder (u.a. der Mensch) zwangsläufig besonders gefährdet sind. 
Pinguine in der Antarktis - Pinguienfamilie mit Kind


In den kalifornischen See reicherte sich ein zur Mückenbekämpfung versprühter DDT-Abkömmling (DDD) im Plankton auf das 250fache und in Zwergtauchern schließlich auf das 80.000fache an. Eine Folge des Kumulationseffektes chlorierter Kohlenwasserstoffe ist die offenbar weit verbreitete Dünnschaligkeit der Vogeleier. Sie lässt sich übrigens auch experimentell erzeugen und führt ab einer Schalendickeredukion von etwa 15 bis 20 % zu Fortpflanzungsstörungen, da die dünnschaligen Eier dann beim Brüten zerdrückt werden. Als Wirkmechanismen dieses Phänomens kommen wahrscheinlich mehrere Faktoren in Betracht. Eine wesentliche Rolle soll dabei die Hemmung bestimmter Enzyme im Uterus der Vögel spielen.
Vogel mit Vogeleiern brüten und versteckt sich im Schilf und Rohr des Ufers


Durch das inzwischen von den meisten Ländern ausgesprochene DDT-Verbot – eine Ausnahme bilden in erster Linie die Entwicklungsländer, in denen DDT zur Bekämpfung wichtiger Krankheitsüberträger auch weiterhin aktuell sein wird – hat sich hier erfreulicherweise ein Wandel vollzogen. Dem gleichen Zweck dient eine Reihe weiterer Maßnahmen, darunter die kontinuierliche Entwicklung von Bioziden mit kurzer Wirkungsdauer.

Besonders gravierend wirkt sich der zunehmende Nährstoffeintrag auf die stehenden Gewässer aus. Die ungewollte Mästung der Primärproduzenten führt zu einem enormen Anstieg der pflanzlichen Biomasse. Unter natürlichen Verhältnissen liegt vor allem Phosphor (in Form von Orthophosphat) meist nur in sehr geringer Konzentration vor, so dass er der wesentliche produktionsbegrenzende Faktor (Minimumstoff) ist. Eine Konzentrationserhöhung heizt daher die Primärproduktion an. Schon eine Phoshorkonzentration von nur 1μg Orthophosphat pro Liter ermöglicht das Wachstum von 15 Millionen Zellen je Liter der Plankton lebenden Kieselalgen Asterionella. Bei Zufuhr von 1 kg Phosphor kann eine Planktonalgenbeimasse von 123kg Trockensubstanz entstehen.
schöner See im Herbst - Natur im Herbst

Die in die Teiche und Weiher gelangten Pflanzennährstoffe dürften, abgesehen vom Eintrag durch Niederschläge, hauptsächlich von den angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzflächen stammen. Einen ersten Eindruck vermittelt dazu die Tabelle 6. Man nimmt an, dass zur Zeit rund 1 bis 5% des zur Dünnung der Landwirtschaftsflächen verwendeten Phosphors und 10 bis 25% des Stickstoffs in die Gewässer eingebracht werden. Selbstverständlich ist das Ausmaß dieses „Düngerexports“ in ein aquatisches Ökosystem je nach der Intensität der landwirtschaftlichen Bodennutzung, der Bodenart, dem geologischen Untergrund usw. recht verschieden. Die Folgen einer solchen Belastung sind außerordentlich komplex. So bewirkt die Massenentwicklung des Phytoplanktons und der höheren Wasserpflanzen eine stärkere Schlammablagerung und beschleunigt damit den Verlandungsprozess in den Flachgewässern enorm. Beim mikrobiellen Abbau der Biomasse kommt es zum Sauerstoffschwund mit all den bekannten Auswirkungen. Im Rahmen der sich anschließenden Fäulnisprozesse entsteht schließlich der lebensfeindliche Schwefelwasserstoff.
landwirtschaftliche Nutzfläche - Getreidefeld schöne Bilder


Diese krasse Änderung des biologischen Gleichgewichtes ist irreversibel, soweit nicht teure Sanierungmaßnahmen eingeleitet werden. Das klassische Beispiel bildet diesbezüglich der etwa 1km² große schwedische Trummen-“See“, dem im Zeitraum von 11 Jahren etwa soviel Phosphor zugeführt wurde, wie vorher in insgesamt 9.000 (!) Jahren. Nach seiner Entschlammung (rund 900.000m³ Schlamm wurden entfernt) kam es zu einer nachhaltigen Besserung der Wasserbeschaffenheit. Die Restaurierungskosten beliefen sich auf etwa 2,5 Millionen Schwedische Kronen. Inzwischen gibt es relativ vielseitige und zum Teil nicht derart kostenaufwendige Methoden (Tiefwasserableitung, Belüftung, Nährstoffausfüllung usw.) Sie alle können aber nur dann sinnvoll und langfristig wirksam sein, wenn keine neuerliche Belastung erfolgt, d.h. eine regelmäßige Prophylaxe (konsequente Einhaltung der geltenden gesetzlichen Bestimmungen, Anlage von ungedüngten Dauergrünstreifen am Gewässerufer u.a.) betrieben wird.
schöne Gewässer mit Ufer - Natur mit Wasser und Wald