Die Art und Weise der Nahrungsaufnahme ist sehr unterschiedlich.
Zahlreiche Tierarten (die meistens entoparasitischen, zum Teil auch
von fäulnisfähigen Stoffen lebende Protozoen, Bandwürmer usw.)
nehmen die notwendigen Nährstoffe in gelöster Form durch ihre
Körperoberfläche auf. Feste Nahrung wird von manchen Einzellern,
wie Wechsel- (Amoebina) und Sonnentierchen (Heliozoa), an einer
beliebigen Stelle des Körpers einverleibt. Die Majorität der
Tierarten besitzt jedoch zur Aufnahme flüssiger und fester Nahrung
besonders ausgebildete Mundstellen oder Münder. Man unterscheidet
dann bezüglich der Nahrungsaufnahme verschiedene Typen,
beispielsweise Schlinger, Zersetzer, Zerkleinerer. Für unsere
Thematik interessieren in erster Linie die ausschließlich an das
Wasser gebundene Strudler.
Zilien (Wimpern) sind die charakteristischen Bewegungsorganellen der
Ziliaten (Wimpertierchen, Infusorien), der höchst differenzierten
Protozoen. Ziliaten tragen ein erheblichen Maß als
Indikatororganismen zur Ermittlung der Wassergüte/Wasserqualität
bei. Ihre exakte Bestimmung setzt Erfahrung und einen gewissen Grad
an technischem Geschick voraus. Erstmals „bewusst“ gesehen,
beschrieben und auch gezeichnet wurden Wimpertierchen übrigens vom
Entdecker der einzelligen Lebewesen, dem Holländer Antoni van
Leeuwenhock (1632 bis 1723). Über die vielen bislang unbekannten
Objekte, die er mit seinem einfachen selbstgebautem Mikroskop sah,
berichtete er in mehr als 100 Briefen der Royal Society in London.
Die Zilien sind fadenförmige Fortsätze der äußeren
Zytoplasmaschicht, des Ektoplasmas. Nach elektronenmikroskopischen
Untersuchungen stimmen sie im Feinbau mit allen anderen Wimpern und
Geißeln von Pflanzen und Tieren überein, einschließlich der
Geißeln von Spermien und Spermatozoiden. Offenbar eine
Gesetzmäßigkeit, über deren Ursache allerdings nichts Sicheres
bekannt ist.
Ursprüngliche, primitive Formen besitzen ein vollständiges, in
parallelen und gewundenen Reihen angeordnetes Wimpernkleid. Dagegen
wird der Zellkörper der meisten differenzierteren Ziliaten
nur teilweise von Zilien bedeckt. Durch Verschmelzung oder Verklebung
von Zilien bzw. Zilienreihen haben sich undulierende Membranen
(wellenförmig bewegliche Organellen), Membranellen (kurze
Ruderblätter) und Zirren (starke, steife, griffelförmige
Organellen) herausgebildet. Ihre Arbeit ist selbstverständlich
mechanisch viel effektiver. Die verblüffende Koordination des
Wimpernschlages wird durch ein spezielles Reizleitungssystem
gewährleistet.
Im Gegensatz zu den Schlingern unter den Ziliaten, die ihre
Beuteorganismen langsam mit dem sehr erweiterungsfähigen Zellmund
(Zytostom) aufnehmen und dann sofort in eine Nahrungsvakuole
einschließen, erzeugen die Strudler durch die um ihre eingesenkte
Mundöffnung stehenden und meist entsprechend modifizierten Zilien
eines Wasserstrom, der die Nahrungspartikel zum Zellmund treibt. Sie
sammeln sich dort in einer Empfangsvakuole. Sobald eine genügende
Größe erreicht ist, löst sie sich vom Zellmund als Nahrungsvakuole
ins Plasma hinein ab. In ihr beginnen nun die Verdauungsvorgänge.
Der für die Nahrungszufuhr besonders differenzierte Bereich, dessen
Lage und Ausdehnung die Gestalt des Ziliats entscheiden prägt, wird
als Mundfeld oder Peristom bezeichnet. Es führt über den
Mundtrichter (Vestibulum) zum Zellmund. Am einfachsten kann man diese
Verhältnisse bei den Pantoffeltierchen (Paramecium)
beobachten. Sie sind in den meisten Wasserproben enthalten und leicht
in Kulturen (Heuaufgüssen, Milchkulturen, usw.) zu züchten.
Als Nahrung dienen
hauptsächlich Bakterien. Für das Geschwänzte Pantoffeltierchen
(Paramecium caudatum) wird im „Normalfall“ das Einstrudeln von
30.000 bis 100.000 Bakterien pro Stunde angegeben. Weitere bekannte
Vertreter sind besonders Trompeten- (Stentor), Glocken- (Vorticella)
und Strauchtierchen (Zoothamnium). Bei ihnen erstreckt sich
der Strudelapparat über das ganze Vorderende des Zellkörpers.
Von den in
Tümpeln, Teichen und Weihern lebenden Mehrzellern gehören
vor allem Schwämme (Proifera), viele Rädertiere (Rotatoria),
Muscheln, (Lamellibranchiata, Bivalvia) und Moostierchen (Bryozoa)
zum Typ der Strudler. Die auf dem Substrat festsitzenden Schwämme
bestehen, obwohl sie mitunter auch bei den Süßwasserformen
respektable Ausmaße erreichen können, aus lockeren Zellverbänden
(Zellaggregaten). Organe fehlen ihnen demnach. Nach außen wird der
Schwammkörper durch das Dermallager (Hautschicht) begrenzt. Über
eine Füllschicht schließt sich dann das aus Kragengeißelzellen
zusammengesetzte Gestrallager (Magen- oder Gastralschicht) an. Mit
ihrem Geißelschlag erzeugen die Kragengeißelzellen einen
Wasserstrom, der durch die zahlreichen über die gesamte
Schwammoberfläche verteilten Poren (daher Porifera = Lochträger) in
den Gastralraum und von dort über eine Ausfuhröffnung, des Oskulum,
wieder nach außen führt. Auf diesem Weg erhält der Schwamm nicht
nur ständig Sauerstoff und die zum Aufbau seines Skeletts
notwendigen Stoffe, sondern es werden auch im Wasser enthaltene
Partikel, Detritus, Bakterien, Einzeller und Kleinalgen
eingestrudelt. Schließlich transportiert der Wasserstrom die
Geschlechtsprodukte und sämtliche Abfallstoffe fort. Das so
verwertete Wasser wird z.B. von Ephydatia bis zu 20cm weit
ausgestoßen.
Recht
unterschiedlich ist die Nahrungsaufnahme bei den in Weihern und
Teichen reichlich, in stark durchwachsenen Tümpeln sogar oft
um ein Vielfaches mehr vertretenen Rädertieren. Unter ihnen gibt es
Strudler, Weideschwimmer, Greifer, Sauger und Reusenfänger. Werfen
wir kurz einen Blick auf den Grundbauplan dieser überwiegend 0,2 bis
0,5mm langen (einige Männchen sind sogar nur 40µm
große!) Vertreter der Kleinlebewelt. Ihr Körper gliedert sich meist
in „Kopf“, Rumpf und „Fuß“. Auffälligste Bildung am „Kopf“
ist das Räderorgan, nach dem die Klasse ihren Namen erhielt. Es
besteht aus einem bauchseits liegenden, den Mund umschließenden
Wimperfeld (Bukkalfeld) sowie einem Wimpernband (Zirkumapikalband),
das ringförmig das Vorderende umgreift. Von dieser Grundform leitet
sich durch Modifizierung beider Wimperzonen die ganze Vielfalt der
Räderorgane ab. Durch die rasch abwärts schlagenden Wimpern
entsteht ein Sog, der das Tier in einer Spiralbewegung vorantreibt
und gleichzeitig Nahrung herbei strudelt. Bei einer Wassertemperatur
von 25 Grad Celsius wurden 1.000 bis 1.200 Wimpernschläge pro Minute
gezählt.
Das Räderorgan
vermittelt in geradezu verblüffender Weise den Eindruck, als ob sich
hier ein Rad drehen würde. Dies gilt besonders für Strudler. Zu
ihnen gehören hauptsächlich die Vertreter der Ordnung Bdelloidea,
unter denen planktische Arten fehlen. Einige Rädertierarten zeigen
allerdings keine streng gebundene Form der Nahrungsaufnahme. So
können beispielsweise die oft massenhaft auftretenden
Wappen-Rädertiere (Brachionus) größere Beuteobjekte mit den
vorgestreckten Kiefern packen und sich auch als Strudler betätigen.
Setzt man eine
Teichmuschel (Anodonta cygnea) ins Aquarium, dann dauert es
nicht lange, bis sie sich mit Hilfe ihres beilförmigen Fußes mit
dem Vorderende in den Bodengrund eingräbt. Bald schaut nur noch das
spitzere Hinterende heraus. Zwischen den leicht klaffenden
Schalenhälften sind zwei Öffnungen zu sehen. Durch die untere, von
kleinen Papillen umgebene „Einströmungsöffnung“ führt ein
Wasserstrom in die Muschel, der durch die darüber liegende
„Ausströumungsöffnung“ wieder hinaus befördert wird. Initiator
dieser Sauerstoff und Nahrung liefernden Wasserströmung ist vor
allem der Wimpernschlag des Kiemenepithels.
Teichmuscheln
besitzen wie Maler- (Unio pictorum), Häubchen- (Sphaerium lacustre),
Erbsenmuschenl (Pisisium) und andere zur Ordnung Eulamellibranchiata
gehörende Arten Blattkiemen. Zu beiden Seiten des Fußes finden sich
zwei Kiemenblätter. Jedes von ihnen besteht aus zwei netzartig
gebauten, eng nebeneinander liegenden Lamellen, die an ihrem unteren
Rand ineinander übergehen. Unter dem Mikroskop sieht man eine große
Zahl langer, parallel verlaufender Kiemenfäden, die durch
Längsbrücken und innerhalb des Kiemenblattes von Lamelle zu Lamelle
durch Querbrücken miteinander verwachsen sind. Dieses engmaschige
Netzwerk ist mit Flimmerepithel überzogen, das die Wand der
zahllosen Spalten bedeckt. Die Nahrungspartikel, Kleinplankton,
Detritus sowie viele beim Durchpflügen des Gewässerbodens
aufgewirbelte kleine Bodenorganismen (Oscillatoria, Diatomeen, Teile
von Ulothrix und Vaucheria usw.) werden durch die Wimpern
ausgefiltert, in Schleim eingehüllt und über Wimperbahnen zum Mund
geflimmert. Übrigens weist nahezu die ganze freie Körperfläche der
Muschel einen „Flimmerbesatz“ auf. Da die Teichmuscheln
fast pausenlos tätig sind, werden auch bemerkenswerte Wassermengen
eingestrudelt. Bei einer amerikanischen Art (Ligumia siliquoidea)
wurde eine Filterleistung von annähernd 1,5 Liter pro Stunde
ermittelt. Sie unterliegt natürlich ständig dem Einfluss
verschiedener Umweltfaktoren (Wassertemperatur, Nahrungsangebot usw.)
und letztlich auch innerer Faktoren (Fortpflanzungsperiode).
Moostierchen
besiedeln die unterschiedlichsten Substrate und bilden dort Kolonien,
die sich aus einer geringen Zahl, meist jedoch aus Hunderten oder
Tausenden von Einzeltierchen zusammensetzen. Das Einzeltier besteht
aus einer Hülle oder Außenwand (Zystid) und dem darin Weichkörper
(Polypid), dessen markantestes Organ die Tentakelkrone ist. Bei
Süßwasserbryozoen stehen die stets in Doppelreihen angeordneten,
wimperbesetzten Tentakel auf einem hufeisenförmigen Tentakelträger
(Lophophor). Die Tentakel erzeugen einen fortwährenden Wasserstrom,
der die darin enthaltenen Blau-, Kiesel, Jochalgen, Protozoen,
Rädertiere und Detritusteilchen mundwärts treibt. Diese
Strudeltätigkeit kann – gleichermaßen auch bei anderen Strudlern
– optisch recht wirkungsvoll durch etwas mit der Pipette zugegebene
Tusche oder Karminlösung demonstriert werden.












