Jedes Gewässer wird in Abhängigkeit
von seinen spezifischen ökologischen Verhältnissen, insbesondere
dem Nahrungsangebot, von bestimmten Lebewesen besiedelt. Ähnlich wie
die an Land lebenden Organismen stellen die Wasserorganismen sehr
unterschiedliche Ansprüche an ihr Lebensmilieu. Bei der Untersuchung
der Lebensgemeinschaft eines Gewässers erhält man daher
Aufschluss über den Gewässer zustand, der unter dem Aspekt der
Wassernutzung auch als Gütezustand bezeichnet wird.
Gegenüber den physikalischen und
chemischen Untersuchungen, die den momentanen Zustand
charakterisieren, erfasst die biologische Analyse eine längere
Zeitspanne, da Pflanzen- und Tierarten keinem raschen Wechsel
unterliegen. Schon anhand einer einzelnen Untersuchung ist somit eine
Aussage über den durchschnittlichen Gewässerzustand möglich.
Angaben zur Konzentration von Verunreinigungsstoffen und über ihre
Art – von einigen Stoffen, z.B. Schwefelwasserstoff, Eisen und
Kochsalz, abgesehen – kann das biologische Verfahren jedoch nicht
liefern.
Als Indikatororganismen
(Zeigeorganismen, Bioindikatoren) eignen sich Arten, die eine enge
Bindung an bestimmte Umweltverhältnisse zeigen. Je enger
diese ist, umso höher ist der Wert der betreffenden Art als
Indikator. Ausgesprochen euryöke Organismen, d.h. Arten, die sich
durch eine große Toleranzbreite und Anpassungsfähigkeit
auszeichnen, sind zur Beurteilung der Wassergüte daher wenig
aussagekräftig.
Auch die Wasservogelfauna kann als
Indikator für den ökologischen Zustand der Gewässer herangezogen
werden. Bekanntlich waren es unter den Wirbeltieren besonders die
Vögel, die uns über die Auswirkungen von Umweltbelastungen
erste und vielfältige Hinweise lieferten. Gegenwärtig liegt eine
nahezu unübersehbare Fülle von Arbeiten zur Giftbelastung von
Vogelpopulationen, Akkumulation verschiedener Gifte über
Nahrungsketten und -netze sowie über die sich daraus ergebenden
Konsequenzen vor.
Wie man auf größeren stehenden
Gewässern beobachten kann, eignet sich die Anzahl und das
Artenspekturm der „Wasservögel“ durchaus als Maß für
die Beschaffenheit der Wasserqualität. So weisen die sehr
nährstoffreichen polysaproben Gewässer „eine Artenkombination von
Schlammfauna- bzw. Allesfressern, wie z.B. verschiedene Enten- und
Möwenarten, an den oligotrophen Gewässern kommen fast nur
Fischfresser, wie Kormorane, Reiher und Taucher vor“.
Unter „oligotroph“ versteht man ein
nährstoffarmes Wasser, das übrigens weitgehend der
oligosaproben Stufe entspricht. Der Hydrobiologe kennzeichnet mit der
Trophie und den verschiedenen Tropiestufen die Intensität der
organischen photoautrophen Produktion, mit anderen Worten den
Nährstoffgehalt des Gewässers.




