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Eierlegung von Fischen, Amphibien und Insekten in heimischen Gewässern

Mit Tauchbrille und Schnorchel im sommerlich warmen Weiher einen Schwarm junger Fische zu beobachten, gehört zu den beeindruckensten Erlebnissen. Besonders farbenprächtig ist die Brut des Flussbarsches (Perca fluviatilis). Zu Hunderten, ja Tausenden spielen die Jungfische in einer großen Ansammlung vor der Kulisse eines grünen Pflanzenbestandes im freien Wasser. Ihre Körper glitzern und schillern in allen Regenbogenfarben. Eifrig schnappen sie nach den reichlichen vorhandenen Wasserflöhen. Die Barsche schwimmen gewissermaßen im Futter. Alles scheint problemlos und offenbart sich für den Augenblick als friedliche Unterwasseridylle. Was soll jedoch aus den vielen Nachkommen werden? Ein Barsch-Weibchen kann allein in einem Jahr 12.000 bis 300.000 Eier produzieren! Angesichts des bereits im Gewässer vorhandenen Barsch-Bestandes wirkt diese Zahl geradezu schwindelerregend. Eine sinnlose Verschwendung der Natur? 
Flussbarsch - schöne Süßwasserfische



Eizahlen verschiedener Fisch- und Amphibienarten

Art
Eizahl pro Weibchen
Hecht
100.000 – 300.000
Karpfen
100.000 – 1.000.000
Karausche
200.000 – 300.000
Schleie
100.000 – 300.000
Rotfeder
Bis 100.000
Schlammpietzker
100.000 – 150.000
Flussbarsch
12.000 – 300.000
Erdkröte
1.200 – 9.000
Pantherkröte
Bis 20.000
Wechselkröte
10.000 – 12.000
Moorfrosch
1.000 – 2.000
Grasfrosch
2.800 – 4.000

Wie man der Tabelle entnehmen kann, weisen andere Fischarten ähnlich hohe Eizahlen wie des Flussbarschs auf. Auch verschiedene Amphibienarten stehen dem nicht wesentlich nach. Die hier getroffene Auswahl umfasst durchweg Arten, die ihre Eier schutzlos in das Wasser abgeben und sie einfach ihrem weiteren Schicksal überlassen. In fast allen Fällen suchen und fressen Fische sogar ihre eigenen Eier und Jungen. Überall lauern Gefahren. Fischeier verpilzen und Parasiten befallen die Jungfische. Zahlreich sind auch die natürlichen Feinde. Selbst Süßwasserpolypen bemächtigen sich der frischgeschlüpften Jungen. Alle erdenklichen Umwelteinflüsse vermindern die Zahl mehr und mehr. Die verschwenderische Menge an Eiern ist notwendig, um den Bestand zu garantieren und - allgemein gesehen – den Erhalt der Art zu sichern. 
Jungfische - kleine Fischbabys im Wasser


Die hohe Nachkommenzahl ist aber nur ein Weg, eine Spezies zu erhalten. Andere Tiere schützen Eier und Junge durch Brutpflege. Es lässt sich sogar eine Abhängigkeit zwischen der Intensität der Sorge um die Nachkommen und der Zahl der Eier oder Jungen feststellen. So erklärt sich auch die verhältnismäßig geringe Eizahl des Dreistachligen Stichling (Gasterosteus aculeatus). Diese brutpflegende Art laicht im Gegensatz zu den in der Tabelle aufgeführten Arten nur 80 bis 100 Eier ab.
Dreistachligen Stichling - kleine Fische


Hohe Fischeizahlen weisen freilich nicht nur Fische und Amphibien auf. Eine beachtliche Übervermehrung kommt auch bei anderen Tiergruppen unserer Gewässer vor. Die Zuckmücke legt z.B. in der Sekunde 6 bis 7 Eier. Ihre komplette Eischnur enthält insgesamt etwa 1.600 Eier, eine wahre Fließbandproduktion. Allerdings nimmt sich diese Eizahl im Vergleich zu anderen Wasserbewohnern noch recht spärlich aus. Flußmuscheln (Unionidae) haben z.B. 300.000 bis 400.000 Nachkommen. Doch selbst diese gigantische Zahl wird noch bei weitem übertroffen. Vergessen wir nicht, dass viele Tiere mehrfach im Jahr ablaichen. Nur so lässt sich die enorme Vermehrungszahl mancher Tierarten erklären.
Flußmuscheln (Unionidae) - schöne heimische Muschelart


Beim großem Wasserfloh (Daphnia magna) kann ein Weibchen in Abhängikeit von der Temperatur und den Nahrungsbedingungen durch Parthenogenese (Jungfernzeugung) bei eiem Wurf 50 bis 70 Junge abgeben. Das ist zunächst noch keine überwältigende Zahl. In seinem relativ kurzem Leben (Lebensdauer ist temperaturabhängig, bei 8 Grad Celsius beträgt sie z.B. 108 Tage) kann das Tier 12 Würfe erbringen. Damit kommt theoretisch schon eine Summe von über 500 Jungen zustande. Doch wenn man weiter denkt. Nach 6 Lebenstagen kann sich jeder Nachkomme des Wasserflohs bereits selbst wieder vermehren. Angenommen, dass erneut alle Weibchen sind, nicht gefressen werden und sich weiterhin parthenogenetisch fortpflanzen … Wie viel Nachkommen existieren dann beim Tod unseres Ausgangstieres? Der Taschenrechner muss helfen. Es sind nicht nur einige Millionen, sondern annähernd 200 Quintillionen! Abgesehen davon, dass diese Zahl unter natürlichen Gegebenheiten nicht erreicht wird, demonstriert das Beispiel doch die gewaltige Potenz zur Entfaltung neuen Lebens.
Wasserfloh (Daphnia magna) - Kleinstlebewesen


Grandiose Ei- und Nachkommen zahlen einiger Arten verändern die zahlenmäßige Zusammensetzung einer Lebensgemeinschaft nicht unbeträchtlich. Wenn das Artgefüge auch grundsätzlich bestehen bleibt, so halten sich doch Zuwachs (Zuwanderung und Fortpflanzung) und Abnahme (Abwanderung und Tod) der Individuen nicht die Waage, und es kommt zeitweilig in Abhängigkeit von den Umweltbedingungen zu Massenentwicklungen (Populationswellen). Denken wir nur an die oft in organisch stark belasteten Dorfteichen zu beobachtenden gewaltigen roten Wasserflohwolken (bis 20.000 Individuen pro Liter Wasser.
wundervoller Dorfteich - schöne Landschaften mit Wasser


Vielfach lassen wir uns jedoch von den oben genannten Zahlen berauschen und kommen dadurch zu einer allzu einseitigen Wertung und Fehleinschätzungen. Freilich sind für den Menschen besonders die Arten von Interesse, die ihm in großer Zahl für Nahrungsgrundlage dienen. So konnten durch Züchtung die beträchtlichen Eizahlen des Karpfens (Cyprinus carpio) sogar noch gesteigert werden. Unterstützt durch hohen technischen Aufwand gelingt es auch weiterhin, die Stückzahlen in Tonnen-Ausbeute zu Buche zu schlagen. Bei dieser einseitigen, zweckgerichteten Sicht werden leicht die anderen, wirtschaftlich weniger interessanten Arten vergessen. Gravierende Veränderungen des Lebensraumes verringern ihre Populationsdichte und gefährden die Existenz dieser Arten. Sie sind es daher, die in ersten Linie die „Roten Listen“ der vom Aussterben bedrohten Tiere füllen.
großer Karpfen schwimmt im Wasser