Angenehmes und
Unangenehmes liegen oft eng beieinander. Plötzlich ist sie da, die
„Mückenwelle“, mitten im Wonnemonat Mai. Aus Gras und Gebüsch
steigen die kleinen Plagegeister auf. Ihr anhaltender, hell singender
Flugton klingt uns um die Ohren und verfolt uns unablässig. Vorbei
ist das geruhsame Wandern durch den Wald und der abendliche
Spaziergang durch die Wiesen. Stechmückenschwärme verwehren die
Erholung im Grünen, beeinträchtigen vielerorts die Feldarbeiten,
beunruhigen das Großwild im Wald und das Weidevieh auf den Wiesen.
An schwül-warmen Tagen sind die besonders aktiv und aufdringlich.
Dass für die
Mückenentwicklung Wasser unerlässlich ist, weiß eigentlich
schon jedes Schulkind. Weniger bekannt dürfte der genaue
Entwicklungsablauf, ihr Werdegang vom Wasser- zum Lufttier sein.
Dabei darf man auch nicht alle Mücken in einen Topf werfen. So
unterscheidet sich z.B. der Jahreskreislauf der Gattung Aedes oder
Mansonia, auf die in erster solche Mückenplagen zurückgehen,
deutlich von dem der „Hausmücke“ (Culex pipiens), die zum
Schulbeispiel der Stechmückenentwicklung wurde.
Brutstätten der
Hausmücke sind Gräben, Tümpel, Teiche, weiterhin Gruben und
Sammelbecken aller Art, in denen sich Regenwasser und Abwässer
sammeln, auch die verschiedensten mit Regenwasser gefüllten Behälter
des Wohlstandmülls, vom ausgedienten Kanister bis zur Plastikdose.
Hier werden die etwa 150 bis 300 Eier direkt auf dem Wasser
abgesetzt. Sie ruhen auf einem Schwimmtrichter und sind zu einem
kahnförmigen „Schiffchen“ verbunden. Der Kopf des
Hausmücken-Embryos ist stets der Wasserfläche zugekehrt, so
dass die Larve beim Sprengen der Eihülle, zu dem ihr ein spitzer
Stirnhöcker („Eizahn“) dient, sofort ins nasse Element
eintaucht. Zum Luftschöpfen kommt sie jedoch durch Pendelbewegungen
des Hinterleibs immer wieder an die Wasseroberfläche. Mit ihrem am
Hinterende befindlichen Atemrohr hängt sich das Hausmücken-Embryo
am Wasserhäutchen auf. Die vorwiegend aus Kleinlebewesen bestehende
Nahrung wird teils ein gestrudelt, teils regelrecht mit den Kiefern
ab geweidet. Während der 2 bis 3 Wochen dauernden Larvenperiode
werden 4 Wachstumsperioden durchlaufen, die jeweils mit einer Häutung
gekoppelt sind.
Die ebenfalls frei
bewegliche Puppe des Hausmücken-Embryos nimmt keine Nahrung mehr zu
sich. Zum Tanken atmosphärischer Luft verfügt sie über ein Paar am
Angang des Brustabschnitts stehende „Atemhörnchen“. War die
Hausmücken-Puppe zuerst noch durchsichtig, so wird sie nun zusehends
dunkler. Jetzt ist es soweit“ Das fertige Insekt schlüpft. An
einer vorgebildeten Stelle des Brustabschnitts platzt die Puppenhaut
und die Stechmücke schiebt sich heraus. Der ganze Vorgang
läuft unmittelbar an der Wasseroberfläche ab und nimmt nur etwa 3
bis 7 Minuten in Anspruch.
In nichts erinnert
die alsbald davonfliegende Mücke an die im Wasser lebenden
Entwicklungsstadien. Sie ist das Ergebnis einer äußerst
komplizierten Gestalt-, Struktur- und Funktionswandels. Aus dem
Wassertier wurde nach der Metamorphose, wie man das Durchlaufen von
Larvenstadien, an die sich noch ein Puppenstadium anschließen kann,
bezeichnet, ein völlig andersartiges Lufttier. Seine Aufgabe ist es,
für die Erhaltung der Art zu sorgen. Alle Wachstumsprozesse und
Häutungen sind auf das Wasserleben beschränkt.
Im Vergleich zur
primitiven Ernährungsweise der Mücken-Larven ernähren sich die
Mücken-Weibchen durch Blut saugen bei Warmblütern und sogar
Amphibien. Ein zweifellos auch stammesgeschichtliches Phänomen, denn
Insekten traten in der Evolution bereits vor diesen „Blutspendern“
auf. Vielleicht kamen die Weibchen ursprünglich ohne eigentliche
Nahrung aus und nahmen, wie dies heute noch bei den Mücken-Männchen
der Fall ist, nur hin und wieder etwas Wasser oder Blütensäfte auf.
Die Larvenperiode war dafür vielleicht länger, das Gelege kleiner
und es lag eventuell nur eine Generation im Jahr vor. Möglicherweise
lebten die Mücken-Weibchen auch räuberisch von anderen Insekten.
Ohne die verschiedenen Ansichten weiter erörtern zu wollen, sei
nochmals festgehalten, dass ich das Blut saugen sekundär, d.h. erst
allmählich im Laufe der Evolution entwickelte. Zur Belästigung
durch des Blut saugen kommt bei den Fieber- oder Malariamücken
(Anopheles), die nicht nur in den Tropen und Subtropen, sondern auch
in der gemäßigten Zone verbreitet sind, vor allem die schon früher
erwähnte Fähigkeit zur Malariaübertragung hinzu.
Wenn es nun trotz
des örtlich oft häufigen Auftretens von Malariamückenarten bei uns
in Mitteleuropa keine „Malaria-Epedemie“ gibt, so hat das recht
verschiedene Ursachen. Voraussetzung für den Ablauf der Malaria
ist in jedem Fall des Vorhandensein und Aufeinandertreffen von
Träger, gesundem Menschen und Überträger. Bei der verhältnismäßig
kleinen Zahl Malariakranker wird bereits deutlich, wie gering die
Wahrscheinlichkeit einer Infektion ist. Hinzu kommt u.a., dass sich
Malariamücken im Laufe der Zeit wahrscheinlich hauptsächlich auf
Rinder, aber auch andere Säuger und Vögel eingestellt hat.
Weiterhind läuft die Entwicklung der Plasmodien innerhalb der Mücke
über einen längeren Zeitraum ab, wobei je nach der Erregerart eine
bestimmte Minimaltemperatur (für Malariamücken z.B. 14 Grad
Celsius) nicht unterschritten werden darf. Auch nicht zu vergessen
ist das viele Mücken selbst an der Malariainfektion Zugrundegehen.






