Wenn der Frost Erde und Wasser
erstarren lässt und die Gewässer von einer Eisdecke überzogen
sind, wirkt die Landschaft wie ausgestorben. Der Schnee bedeckt
Sträucher und Bäume, unter seiner Last biegen sich die Weidenzweige
noch tiefer herab. Das Eis trägt und lockt zu einem Erkundungsgang
über die weitläufigen Teichflächen.
Vom kalten Nordwind weggeweht, häuft
sich der Schnee im Röhricht und an den Binsenhorsten. Durch
das klare Eis hindurch sieht man an vielen Stellen Wasserpflanzen,
vor allem die aus Nordamerika eingeschleppte Wasserpest (Elodea
canadensis). Aus dem Pflanzendickicht steigen hin und wieder kleine
Sauerstoffblasen empor. Ein Zeichen, dass die Pflanzen auch unter dem
Eis assimilieren, solange es die Lichtverhältnisse erlauben. Das
Leben pulsiert in den frostfreien Bereichen. Pflanzen- und Tierreste
werden im Kreislauf der Stoffe abgebaut und remineralisiert. Vom
Teichboden aufsteigende größere Gasblasen, die sich unter der
Eisdecke sammeln und schließlich einfrieren, zeugen von den
Abbauprozessen.
Die Luftblasenbahnen im Klareis, in der
Nähe gelegentlich auch abgebissene Pflanzenteile zu beobachten sind,
deuten auf die Anwesenheit von Bisamratten hin. Ihre aus
Schilf oder anderen Wasserpflanzen zum Schutz gegen Kälte und Frost
gebauten Winterburgen finden sich an vielen Stellen der Teiche. Die
größte Burg im Teichgebiet erreicht über dem Eis die beachtliche
Höhe von 1,40m. Demzufolge dürfte die auf dem Teichboden
aufsitzende Burgsohle einen Durchmesser von gut 2 bis 3 m besitzen.
Übrigens kann es durchaus passieren, dass man selbst zu dieser
Jahreszeit „auf dem Eis“ eine Bisamratte antrifft, die das
Gewässer an einer eisfreien Stelle verlassen hat, um sich kurzzeitig
in der Sonne zu wärmen.
Auf dem Teichdamm zeichnen sich im
Schnee die Spuren vom Wildschwein und eines flüchtigen
Hermelins ab. Im niedrigen Flug zieht ein Schwarm Bergfinken vorbei.
Sie kommen aus den Nadel- und Birkenwäldern Nordeuropas und sind in
Mitteleuropa regelmäßige Wintergäste.
Zu dieser Jahreszeit bereitet der
Futterfang für den Aquarianer kein Vergnügen. Durch die starke
Eisdecke muss zunächst ein Loch geschlagen werden. Kleinste
Eisstückchen spritzen auf. Dann ist es so weit, das Stocknetz wird
durch verschiedene Wassertiefen gezogen. Die Ausbeute ist aber nicht
allzu groß. Im Netz bleibt nach dem Ablaufen des Wassers ein schwach
grünlicher Brei zurück. Es sind weitgehend Ruderfußkrebse, vor
allem halberwachsene Tiere, ohne Eiersäcke. Neben Cyclopiden findet
sich auch Diaptomus. Die schlanken, durchsichtigen Diaptomus-Arten
(Schwebekrebschen) weisen durch die in ihrem Fettkörper
eingelagerten roten, blauen oder orangegelben Öltröpfchen eine
herrliche Färbung auf. Sobald die Sonne etwas höher steigt und
wärmer scheint, schmilzt das Eis, schwellen die Knospen der Weiden
und Erlen am Gewässer. Von den obersten Ästen der Eichen herab
verkünden die Stare mit ihrem pfeifenden, schmatzenden Gesang den
nahen Frühling. Trotz des wechselhaften Wetters halten sich seit dem
letzten Februardrittel auch die Kiebitze wieder im Teichgebiet auf.
Zwar überzieht hin und wieder ein dichter Flockenwirbel die
Landschaft mit einer dünnen Schneedecke, die weiße Pracht
ist jedoch nicht beständig und schmilzt schnell dahin.
Am Dorfweiher haben sich die
Bachstelzen eingestellt. Mit wippendem Schwanz trippeln sie auf der
Suche nach Bodeninsekten am Ufer entlang. Im Vorjahr bauten sie ihr
Nest in einer der alten hohlen Kopfweiden.
Der anhaltende Sonnenschein hat die
Weidenkätzchen hervorgelockt, die weithin sichtbar im
kräftigen Goldgelb und Silbergrau schimmern. Es summt und brummt um
die Weiden wie bei einer Orchesterprobe. Die Bienen stürzen
sich auf das überreiche Pollenangebot. Sie fliegen mit großen
Pollenklumpen an den Hinterbeinen zum Stock zurück, wo sich die
Pollenbretter der Brutnester füllen.
Auch Zitronenfalter und Tagpfauenaugen
haben die ergiebigen Nektarquellen entdeckt. Sie gaukeln von Kätzchen
zu Kätzchen, gleiten dahin, schrauben sich hoch in die Luft, fliegen
jedoch immer wieder um die blühenden Weiden, nur gelegentlich einmal
mit weit ausgebreiteten Flügeln in der warmen Sonne ruhen. Ihren
langen schlanken Fühlern entgeht nicht die feinste Duftnuance. Wer
zweifelt noch daran, trotz fortdauernder Nachtfrostgefahr, der
Frühling ist eingekehrt.
Im Auwald sind durch den Anstieg des
Grundwasserspiegels wieder alle Senken mit Wasser gefüllt. Es
wimmelt in ihnen nur so von Stechmückenlarven. Zwei bis drei
Netzzüge liefern einen faustgroßen Klumpen der jungen Mückenbrut.
In einigen Tümpeln, deren Boden stark mit halb verrottetem Falllaub
bedeckt ist, schwimmen langsam, mit gleichmäßigem Beinschlag,
Kiemenfüße (Siphonophanes
grubei). Man muss schon recht genau hinsehen um die 1,5 bis
2cm langen Tiere, die wie Wasserflöhe zur Unterklasse der
Blattfußkrebse gehören, bei der starken Wasserspiegelung zu
entdecken. Der Arbeitsrhythmus ihrer blattförmigen Beine, über die
kopfwärts regelrecht Bewegungswellen laufen, beeindruckt stets von
neuem. Je nach Wassertemperatur und Tiergröße sind es in einer
Minute etwa 140 bis 400 Beinschläge. Bei den Weibchen ist außerdem
die am Hinterleib liegende Bruttasche in ständiger Bewegung. Mit
Eiern prall gefüllt, wird sie abwechselnd nach links und rechts
gedreht. Die Beine dienen den Kiemenfüßen auch zum Atmen und
Nahrungserwerb. Sie filtrieren kleinste Nahrungspartikel, wie Algen
und organisches Zerreibsel (Detritus), aus dem Tümpelwasser. Wer
einige dieser interessanten Kleinkrebse mit nach Hause nimmt, sollte
sie möglichst im Kühlschrank aufbewahren und regelmäßig mit
algenreichem Wasser füttern.
Schon seit Anfang März habe
Teichmolche (Triturus vulgaris) und Grasfrösche (Rana
temporaria) die Winterquartiere verlassen. Im seichten, sich schnell
erwärmenden Wasser der Tümpel und Gräben, am Rand der Weiher und
Teiche ist das Liebeswerben der Molche in vollem Gange. Neben dem
imposanten Hochzeitskleid der Männchen mit dem gekerbten Rückenkamm,
den lappenartigen Hautsäumen der Hinterfüße und seinen leuchtenden
Farben verblassen regelrecht die schlicht aussehenden Weibchen. Wen
wundert es daher, wenn die Männchen ein bevorzugtes Fanobjekt der
Kinder sind. Stolz wird die Beute im Marmeladenglas heimwärts
getragen.
Ein Bild, das sich jährlich im
Frühling wiederholt. In den großen gallertartigen Laichballen der
Grasfrösche (Rana temporaria), die mitunter 3.000 bis 4.000
Eier enthalten, beginnen sich die Embryonene zu bewegen. Die
anhaltend warme Witterung beschleunigt die Entwicklung. Auch die
Moorfrösche haben inzwischen gelaicht. Ende März treffen die ersten
Erdkräten am Laichwasser ein. Anfangs sind es fast nur Männchen.
Ihr dumpfer, etwas schnarrender Lockruf klingt durch das Fehlen der
Schallblase nicht laut und ist kaum 150m weit zu hören.
Am Ufer der Gewässer wachsen Blätter
der Wasserschwertlilien empor. Zwischen dem Blattwerk der submersen
Pflanzen schwimmen ziegelrote Wassermilben auf der Jagd nach
Muschelkrebsen, Hüpferlingen oder weichhäutigen Insektenlarven. Hin
und wieder sieht man Rückenschwimmer paarweise an der
Wasseroberfläche hängen, das Männchen etwas unterhalb vom
Weibchen. Es ist Paarungszeit für Ruder-, Schwimmwanzen und
Rückenschwimmer. Wasserkäfer tauchen aus dem Pflanzengewirr
auf, bleiben wenige Sekunden an der Oberfläche hängen und schwimmen
wieder, mit Frischluft versehen, in die Tiefe. Für den Gelbrand
beginnt die Zeit der Eiablage. Unruhig rudern die Weibchen von
Pflanze zu Pflanze. Ist endlich die geeignete sauerstoffreich
Wirtspflanze gefunden, dann werden mit dem Legeapperat die Eier in
sie versenkt.
Hoch über den Teichen kreisen die
Rohrweihen. Seit ihrer Ankunft brillieren sie mit wechselvollen, von
tiefen Abstürzen unterbrochenen Balzflügen. Von den angrenzenden
Feuchtwiesen klingt das „Meckern“ der Bekassine (Gallinago
gallinago) herüber. Das Männchen imponiert dem am Boden
sitzenden Weibchen mit seinen Liebesspielen. Etwa alle 6 bis 8
Sekunden produziert es etwa 2 Sekunden lang diese eigenartigen, an
das Meckern einer Ziege erinnernden Tonfolgen. „Himmelsziegen“
werden die Bekassinen daher im Volksmund genannt. Lange war unklar,
wie die Töne zustande kommen. Nachdem man zunächst glaubte, dass
sie von der Stimme oder den Flügeln erzeugt würden, wies 1885 B.
Altumauf die Schwanzfedern hin. Die Vögel kippen im schnellen Flug
plötzlich seitwärts ab und stürzen dann 10 bis 15m in die Tiefe.
Dabei werden die äußeren Schwanzfedern seitlich in den Fahrtwind
gedreht. Die hohe Sturzgeschwindigkeit lässt die Schwanzfedern
vibrieren und so entsteht der meckernde Ton. In erster Linie erzeugen
ihn die äußeren Federn, die in ihrer Gesamtkonstruktion der kurzen
extremen Beanspruchung besonders gut angepasst sind.
Geschickt versteckt im Weidengebüsch
am Rand des Teichdamms liegt das Nest
der Stockente (Anas platyrhynchos). Es ist ein ziemlich
einfacher Bau aus trockenen Halmen und Blättern, mit Daunen
ausgelegt. Die 9 graugrünen Eier fühlen sich noch warm an. Vor dem
Verlassen des Nestes hat sie das Weibchen, das auf dem Teich nach
Nahrung sucht, mit den bräunlich-grauen Daunen bedeckte.
Nicht weit davon entfernt, an der
Schilfkante des stark verlandeten Nachbarteiches, hat die hoch
beschlagene Bache aus Schilf einen Kessel ausgepolstert. Er
ist nach allen Seiten durch Altschilf und niedrige Weiden gegen Sicht
vorzüglich gedeckt.
Mitte April treten die ersten
Vegetationsfärbungen auf. Bei günstigen Temperatur-, Licht- und
Nährstoffverhältnissen kommt es zur Massenentwicklung von
Phytoplanktern. Denken wir nur an grün gefärbte Tümpel oder
Dorfteiche, die vielerorts fast schon zum vertrauten Bild
geworden sind. Bei der mikroskopischen Untersuchung einer
Planktonprbe zeigen sich Massen von „Augentierchen“ (Euglena),
vor allem das beliebte Schul- und Demonstrationsobjekt Euglene
viridis.
Weitaus seltener, wenngleich berühmter
ist Euglena sanguinea, die vor allem auf Weidentümpeln des
Alpenvorlandes blutrote haut-artige Überzüge bildet. Das
unvermittelte Auftreten solcher Rotfärbungen führt stets zu wilden
Gerüchten und Legenden über diese „Bluttümpel“ oder
„Blutseen“.
Relativ früh
sind die Rauchschwalben (Hirundo rustica) aus ihren
afrikanischen Überwinterungsgebieten zurückgekehrt. In den ersten
Tagen nach der Ankunft nächtigen sie massenweise im alten Rohr der
Teiche. An Nahrung mangelt es ihnen hier wahrlich nicht. Im schnellen
Flug jagen sie Mücken, Fliegen und andere Insekten, bei trockener
Witterung teilweise in beträchtlicher Höhe, bei feuchter, wenn die
Insekten durch die Luftfeuchtigkeit herabgedrückt werden, dicht über
dem Wasser. Fliegen die Schwalben tief, dann gibt es Regen
sagt der Volksmund.
Etwa zur
gleichen Zeit sind auch Mehl- und Uferschwalben wieder da. Aus dem
Schilfdickicht erklingen die dumpfen Rufe der Großen Rohrdommel, vom
Wald her meldet sich der Kuckuck (Cuculuc canorus).
In der Lachmöwenkolonie, die
seit Jahren auf einem fischereiwirtschaftlich nicht mehr genutzten
Teich besteht, herrscht reges Treiben. Ständig fliegen Möwen
zwischen den Nahrungsrevieren und der Kolonie hin und her. Bei
Störungen erhebt sich laut kreischend eine weiße Vogelwolke. Das
Rufen und Fliegen der Möwen beherrscht die Szenerie. Es
dauert einige Zeit, bis die allgemeine Erregung abklingt und die
Tiere wieder auf ihre Nester einfallen. Der Nestbau ist im
allgemeinen abgeschlossen. Im ersten Maidrittel dürften die vollen
Gelege (etwa 3 Eier) vorliegen. Es ist erstaunlich, wie sehr die
durchschnittlich 35,6g schweren olivgrün bis -bräunlich gefärbten
und mit grauen oder dunkelbraunen Flecken versehenen Eier in der
Färbung (teilweise auch in Form) variieren. Wie in jedem Jahr brüten
auch diesmal wieder am Rand der Kolonie einige Schwarzhalstaucher.
Zusehends verschwindet das gelbe
Altschilf im frischen Grün unzähliger kräftig empor treibender
neuer Halme, Viele Weiher und Teiche sind fast völlig vom weißen
Blütenmeer des Gemeinen Wasserhahnenfußes (Ranunclulus
aquatilis) bedeckt. Es sieht aus, als sei über Nacht Schneegefallen.
Auf den Blüten tummeln sich Schwebfliegen, Bienen, Hummeln und
Käfer.
Am Ufer leuchten weithin die hellgelben
Blüten der Wasserschwertlilien. Das zarte grün der von
Sonnenstrahlen durchfluteten Weidenbüsche, Birken, Erlen und Eichen
steht im reizvollen Kontrast zum wolkenlosen Blau des
Frühlingshimmels. Sumpfdotterblumen und Fieberklee überziehen
die Feuchtwiesen mit dottergelben, weißen und zartrosa Farbtupfern.
Aus den Schilfwäldern ertönt das
„karre karre kiet kiet“ des Drosselrohrsängers (Acrocephalus
arundinaceus). Die letzten Zugvögel, unter ihnen die
Rohrsänger, sind eingetroffen. Nun ist der sangesfreudige Vogelchor
mit seiner breiten Klangfülle komplett. In das Stimmgewirr fallen
Wasserfrösche und Rotbauchunken ein. Mit dem warmen Wind weht ein
zarter Blumenduft heran. Die jungen Blätter der Birken vibrieren und
zaubern ein unermüdliches Wechselspiel von Lichtkontrasten. Vorbei
ist das anscheinend noch überschaubare Leben und Treiben des
Vorfrühlings. Explosionsartig, immer reicher, in verwirrender Fülle
und Vielfalt entwickeln sich Pflanzen- und Tierwelt, die in den
Monaten Mai und Juni ihren Höhepunkt erreichen.
Tannenwedel, Krebsschere, Wasserfeder,
Pfeilkraut und Froschlöffel kommen zur Entfaltung. Teich-, Seerosen,
Laichkräuter und Wasserlinsen bilden dichte grüne Teppiche,
Gilbweiderich, Sumpfziest, Schwanenblume, Igelkolben und wie sie alle
heißen, schmücken das Gewässerufer. Große Schwärme tiefschwarzer
Kaulquappen durchziehen das seichte Wasser. In den
Laichteichen spritzt das Wasser unter den Schlägen der ablaichenden
Karpfen auf. Binnen einiger Stunden geben die Rogener ihre ganze
Eimasse von oft über 1 Million Eiern ab. Auch Schleien, Rotfedern
und Moderlieschen laichen in diesem Zeitraum.
Der Insektenflug nimmt immer mehr zu.
Das bunte Blütenmosaik zieht Scharen von Blütenbesuchern an.
Im strahlenden Sonnenschein schwirren Libellen auf der Jagd nach
Fliegen, Mücken und Schmetterlingen umher. Vor Sonnenuntergang
schwärmen die Männchen der Eintagsfliegen über den Weidenbüschen.
Heftige
Gewitterregen lassen im Frühsommer hier und dort zahlrreiche
Tümpel entstehen. Im warmen, lehmig trüben Tümpelwasser kann man
gelegentlich merkwürdige, fast urtümlich aussehende Tiere
beobachten. Es sind Kiemenfüßer (Triops cancriformis), die
sich außerordentlich schnell entwickeln und unter günstigen
Bedingungen einen Gesamtlänge von 10cm erreichen können. Ihr Körper
wird weitgehend von einem braunen, flach gewölbten Rückenschild
bedeckt. Dieser trägt die dicht nebeneinander liegenden Augen und
verjüngt sich nach hinten. Der über den Schildrand hinausragende
Hinterleib ist segmentiert und endet in zwei langen Schwanzfäden
(Furka). Etwa in Augenhöhe ragen unter dem Schild auf jeder Seite
drei lange vielgliedrige Fäden hervor. Sie gehören zum 1. Beinpaar
und dienen diesen eigenartigen Kleinkrebsen zum Tasten und zur
chemischen Wahrnehmung. Die übrigen Beinpaare sind blattförmig
ausgebildet und nur von der Unterseite her sichtbar. Sie werden zum
Körperende hin fortlaufend kleiner sowie undifferenzierter.
Zur charakteristischen
Lebensgemeinschaft solcher Tümpel gehört im
mitteleuropäischen Raum meist noch der Echte Kiemenfuß, der große
Wasserfloh und der Tümpel-Wasserfloh. Neben den durch ihren
Beinschlag aufgewirbelten Bodensedimenten fressen die Kiemenfüße
auch diese Krebsarten, ja selbst kleine Artgenossen.
Der Wind treibt dichte Pappelwolle zum
Weiher. Soweit man sehen kann, ist die Luft von kleinen mit
seidig weißem Haarschopf versehenen Samen erfüllt. Sie treiben auf
dem Wasser, bedecken den Erdboden und türmen sich oft an
windgeschützten Stellen im Uferbereich zu flockigen Haufen.
Die Stockente führt Junges. In
Kiellinie folgen sie der Mutter am Rand des Vegetationsgürtels. Auf
den offenen Wasserflächen schwimmen Bleßrallen- und
Taucherfamilien. In den ersten Lebenstagen verkriechen sich die
jungen Taucher immer wieder im Rückengefieder der Eltern, wo sie
ruhen, Wärme und Schutz finden. Meist deuten die leicht
aufgestellten Flügel des Altvogels auf das Tragen von Jungen hin.
Bei plötzliche auftretender Gefahr nimmt er diese mit unter Wasser,
wobei wahrscheinlich die Flügel fest an den Rücken oder die Flanken
gedrückt werden. Interessanterweise sollen sogar im Flug
abgeschossene Taucher Junge auf ihrem Rücken getragen haben.
Durch die anhaltend warme Witterung
sinkt der Wasserspiegel weiter ab. Im Weiher erhöht sich der
Detritusgehalt, Schwefelbakterien weisen auf die fortschreitende
Saprobisierung hin. Die Tümpel sind ausgetrocknet. Wo vor
kurzem noch Wasser stand, existiert jetzt nur eine trockene, von mehr
oder weniger tiefen Spalten und Rissen durchzogene Schlammfläche.
Binsen, Froschlöffel (Alisma) und andere feuchtigkeitsliebende Arten
markieren gleichsam die Stellen der einstigen Feuchtbiotope.
Verlassen liegt der Rohrweihenhorst im
dichten Rohrbestand. Am Horstrand finden sich noch Rest einer
Bleßralle und zwei nahezu mumifizierte Wasserfrösche. Seit
Mitte August sind die jungen Weiher flügge. Sie halten sich jetzt
irgendwo im Rohrwald auf, werden noch einige Zeit von den Altvögeln
gefüttert und geführt, bis sie sich dann endgültig von ihnen
trennen.
Die Störche lassen erste
Zeichen von „Zugstimmung“ erkennen. Immer häufiger kreisen sie
über dem Dorf, den Wiesen und Feldern. Auf der Feuchtwiese am
Teichrand, wo sie sich seit Tagen versammeln, wechselt ihre Zahl
ständig.
Im Wiesenweiher schwimmen Schwärme von
Jungfischen. Bei den Kaulquappen sind die Hinterbeine vollständig
ausgebildet, die Vorderbeine brechen durch, und der Schwanz schrumpft
immer mehr ein. Ende August ist die Metamorphose beendet. Überall am
Weiherrand stößt man auf die kleinen, etwa 2 cm langen jungen
Wasserfrösche.
Die ersten Frühnebel kommen auf. Es
dauert lange, bis die wogenden Nebelwände von Sonnenstrahlen
durchdrungen werden und sich auflösen. Erst gegen Mittag sind
die letzten Nebelschwaden verschwunden. Blätter und Halme trocknen
ab, lila Blüten der Herbstzeitlosen leuchten wieder weithin.
Auf den Leitungsdrähten sitzen Trupps
von Rauchschwalben. Vor dem Dunkelwerden vereinigen sie sich zu
großen Schwärmen, die über den Wasserflächen der Teiche nach
Insekten jagen, ehe sie zur Übernachtung im Schilf einfallen. Die
ursprünglich ziemlich kleinen Starenschwärme haben sich
durch Zuzug aus den Sommerbruten und der weiteren Umgebung ständig
verstärkt und bieten, wenn sie sich eine halbe Stunde vor
Sonnenuntergang ebenfalls zur Ruhe begeben, ein imposantes Bild.
Bevor sie sich niederlassen, vollführen sie mit erstaunlicher
Wenigkeit elegant aussehende Schwenkungen. Kommt ein Greifvogel in
die Nähe des Schwarm, so wird er sofort attackiert und in die Flucht
geschlagen. Mit gewaltigem Brausen fällt die riesige Schar
schließlich ein, erhebt sich jedoch noch mehrfach wieder, und es
vergeht einige Zeit, bis sie endgültig zur Ruhe kommt und das
Gezwitscher verstummt.
Auf den Teichen schwimmen große Mengen
von Enten. Ihre Zahl der Artzusammensetzung wechseln nahezu täglich.
Vom Ufer fliegt mit hellem „hidihi hididi“ ein Trupp
Bruchwasserläufer (Tringa glareola) auf. Immer häufiger
ertönen die Flötenrufe ziehender Limikolen. Auffällig und zum Teil
auch kaum bemerkt ist seit langem der Vogelzug im Gange. Die Störche
sind bereits weggezogen.
Nach und nach geht das reiche
Insektenleben über dem Wasser zurück. Die Bisamratten sind eifrig
beim Burgenbau. Zusehends verliert sich das Grün der Blätter in
herbstliche Farben. Auf den Teichdämmen steht die Rotfärbung
der Eichen im reizvollen Kontrast zum Goldgelb des Röhrichtgürtels.
Regenschauer peitschen das
Wasser, die Abfischung verläuft bei unfreundlichem Wasser. Der Sturm
rüttelt an den Bäumen, erste Nachtfröste treten auf. Bald
schwimmen Blätter statt Wasserlinsen auf Weihern und Teichen.
Der Insektenflug hat aufgehört. In der
Uferregion bedecken Pflanzenreste und leere Schneckenhäuser die
Wasserfläche. Bei der Analyse von Wasserproben erkennt man unter dem
Mikroskop zahllose sattelartige Schalenteile (Ephippien)
eingeschlossene Dauereier von Wasserflöhen, Dauerformen von
Süßwasserschwämmen und Moostierchen. Die Temperaturen sinken
weiter ab. Ende Dezember überzieht wieder eine dünne Eisdecke
die Gewässer.





































