Werden und Vergehen, ein uralter und
ewig junger Prozess, dem alles Leben, aber auch die unbelebte Natur
unterliegt. Ein Wandel, der sich kurzfristig, in Stunden, Jahren, ja
Jahrtausenden und Jahrmillionen vollziehen kann, der plötzlich und
allmählich auftritt, im Großen und Kleinen wirksam ist.
Ursprung und vergehen von stehenden Gewässern
Wie verläuft dieser Prozess bei den
stehenden Gewässern? Viele von Ihnen sind glazialen Ursprung. Nach
dem Zurückweichen des Eises füllten sich Rinnen, Mulden und Becken
mit Wasser und Wurden zu Seen. So entstanden u.a. die typischen
Grundmoränenseen Nordamerikas und des norddeutschen Flachlandes.
Andere, oft besonders große und tiefe Seen verdanken ihre Entstehung
tektonischen Vorgängen. Musterbeispiel ist der tiefste See der Erde,
der in einem gewaltigen Grabenbruch liegende Baikalsee (größte
Tiefe etwa 1.620m). Auf vulkanische Tätigkeit gehen die Kraterseen
und Maare zurück.
Eiszeit und die entstehung der heutigen Landschaften
Wenn wir uns einmal das Alter der letzten eiszeitlich entstandenen Seen betrachten, dann ist dieses mit etwa 10.000 Jahren aus erdgeschichtlicher Sicht gering. Im Vergleich dazu sind die flachen stehenden Gewässer natürlich äußerst kurzlebige Gebilde. Sie entstanden oder entstehen oft in enger Beziehung zu Fließgewässern. Denken wir nur an die vielfach Halbmond- bis wird als unförmigen A warltwasser, die nichts anderes als durch natürliche oder künstliche Regulierungen ab geschnürte Fluss abgeschnitten sind, oder die vielen jährlich durch Überschwemmungen gespeisten und auch neue gebildeten Flachgewässer war. Die mannigfaltigen Entstehungsmöglichkeiten von Tümpeln haben wir schon kennengelernt. Im Hügel- und Bergland kann man mitunter recht gut verfolgen, wie sich durch Erosion, Stau von Geröll und abgestürzten Erdmassen, Einsenkungen usw. mit Wasser gefüllte Becken bilden. Nicht vergessen seien die durch die Tätigkeit von Bibern entstandenen kleinen und größeren "Biberseen". Folgen wir der Version der Gebrüder Grimm, die den Artnamen vom lateinischen "faber" = Zimmermann herleiteten, so wäre damit die erstaunliche Bautätigkeit dieser interessante Nager, deren Vorfahren schon in den Braunkohlewäldern des Tertiär lebten, in den Vordergrund gestellt. Das dadurch ihre Damenbauten angestaute Wasser kann oft respektable Flächen einnehmen.Entwicklung größerer stehender Gewässer
Die Vergänglichkeit der stehenden Gewässer wird im Bereich kleiner Wasser Ansammlung besonders deutlich war. So können alle Wasser führenden senken und Mulden bei verminderten oder mangelnden Wasserzufluss ebenso schnell wieder verschwinden, wie sie entstanden sind. Natürlich kann dies unter entsprechenden Bedingungen, z.B. Einer weiträumigen Grundwasserabsenkung, auch für größere stehende Gewässer zu treffen. Abgesehen von der möglichen Vernichtung durch schwinden des Wasservorrates unterliegt jedoch jedes Gewässer dem natürlichen Prozess des Vergehens, der in Abhängigkeit vom Biotop und den spezifischen Umweltfaktoren von Fall zu Fall unterschiedlich abläuft, sich über kleine oder große Zeiträume erstreckt, wobei direkte und indirekte menschliche Einflüsse meist stark beschleunigen wird.Entwicklung höherer Wasserpflanzen
Viele unserer heutigen Weiher waren Seen (Klarwasserseen). Durch fortschreitende Auffüllung mit anorganischen und organischen Sedimenten, die durch Ablagerungen biogenen Ursprungs, vor allem von Plankton-Biomasse und Zelluloseschlamm höhere Wasserpflanzen, anfallen, außerdem auch durch Materialzufuhr über etwaige Zuflüsse sowie anderweitige Einschwemmungen wird der See immer seichter. Vom Ufer rückten die Vegetation ständig weiter zur Seemitte vor. Auf diese Weise entsteht aus dem See ein Weiher, der mit Fortschreitender Verlandung zum Rohrsumpf und schließlich zum Flachmoor wird.Nährstoffearme und -reiche Gewässer
Während die Verlandungsprozesse in den
Nährstoffformen, kalten Flachgewässern der Hochgebirge und
Nordeuropas verhältnismäßig langsam ablaufen, ändert ein
nährstoffreicher Weiher meist in weitaus kürzerer Zeit sein
Aussehen. Manche Wiesenweiher, die damals noch wahre Fundstätten für
vielerlei Wassergetier waren, sind heute zugewachsen oder sogar schon
völlig verschwunden. Oft erinnern nur noch kleine von Weidengebüsch
umsäumte Bereiche an die Existenz ehemaliger Feuchtgebiete.
Verlandung der Gewässer
Wenden wir uns den an der natürlichen
Verlandung beteiligten Wasser- und Sumpfpflanzen zu, die am
Beispiel der Seeverlandung eingehend untersucht werden und sich in
fast jedem Lehrbuch wiederfinden. Allerdings ist es nicht so, dass
Vegetationszonierung “lehrbuchgetreu” bei allen Seen in gleicher
Weise vorliegt. Denken wir nur daran, dass allein durch Auswirkungen
des Bade- und Bootsbetriebes die Ufervegetation vielerorts geschädigt
und verändert wird. Bei Flachgewässern, wo sich natürliche und
anthropogen bedingte Einwirkungen meist viel stärker auswirken, ist
die Situation oft noch unübersichtlicher. Auf kleinstem Raum sind
hier mitunter nur bestimmte Zonen ausgebildet, die typische
Sukzessionsfolge ist nicht mehr erkennbar. Am naturnahen, intakten
Gewässer bereitet eine Orientierung im obigen Sinne jedoch keine
Schwierigkeiten.
Wasserpflanzen
Im soziologischen System der Pflanzen zählen die eigentlichen Wasserpflanzen zu den beiden Klassen der an Wasserlinsen reichen Wasserschweber und den im Gewässerboden wurzelnden Laichkraut- und Schwimmblattpflanzen. Die erste Klasse umfasst artenarme, im Wasser wurzelnde Gesellschaften, die in mehr oder weniger nährstoffreichen Gewässern vorkommen und dort unterschiedlich dichte Schwimmdecken ausbilden. Als Waaserwurzler werde sie durch Wind und Wellenschlag stark beeinflusst und auf diese Weise in andere Pflanzenbestände ein gedriftet. So können sich in der Schwimmblattzone wie auch in den anschließenden Röhrichten auftreten, wen dort kleinere freie Wasserflächen existieren. Typische, individuenreiche Reinbestände von Wasserlinsen finden sich vor allem auf Dorfteichen und Tümpel. Bekannteste Vertreter sind die Vielwurzelige Teichlinse und Kleine Wasserlinse. Sie können wie die Bucklige Wasserlinse und die wegen ihres sehr kurzen Lebenszyklus bekannte Zwergwasserlinse die Gewässeroberfläche mit einer geschlossenen dicken Pflanzendecke überziehen. Von den freischwimmenden Arten seien schließlich noch das Waaser-Lebermoos und der Gemeine Schwimmfarn erwähnt.
Neben den Wasserlinsen gehören zu
dieser Klasse auch die Froschbiss-Gesellschaften. Zu ihnen zählen
z.B. Der Froschbiss und der Gemeine Wasserschlauch, die wie die
übrigen Vertreter, im Gegensatz zu den Wasserlinsen-Beständen
relativ ortsfest sind und sich strukturell und artmäßig bereits den
im Boden wurzelnden Laichkrautgesellschaften nähern.
Besonders typische Anzeichen der Verlandungsprozesse sind ausgedehnte
Krebsscheren Bestände. Die Massenentfaltung dieser Art führt zu
einer beachtlichen Biomassenproduktion und somit zur Anreicherung von
organischer Substanz auf dem Gewässerboden.
Schwimmblätter
Zur zweiten Klasse gehören die Fluthahnenfuß-, Laichkraut- und Schwimmblattgesellschaften. Sie setzen sich aus untergetaucht lebenden Pflanzen und aus Arten mit Schwimmblättern zusammen. In Flachgewässern sind die Schwimmblattgesellschaften meist so stark ausgeprägt, dass sie große Teile der Wasseroberfläche bedecken oder fast völlig einnehmen. Das gilt besonders für die Teichrosen, die außerdem durch Tausendblatt arten charakterisiert ist. Letztere leben submers, lediglich ihre auf Windbestäubung eingerichteten Blüten ragen aus dem Wasser heraus. Mitunter können Tausendblatt arten ziemlich dichte Bestände bieten, die Fischen gute Möglichkeiten zum Unterschlupf und zur Eiablage bieten. Im Myriophyllo-Nupharetum siedeln auch Wassernuss und das submers lebende Gemeine Hornkraut. Natürlich trifft man diese Arten nicht in jedem Gewässer mit Teich- und Seerosenbeständen an. Viel größer ist die Möglichkeit, verschiedene Laichkraut arten wie das Schwimmende Laichkraut, Glanz-Laichkraut, Krause Laichkraut und Kamm-Laichkraut vorzufinden. Besonders auffällig sind natürlich die weiß blühenden Seerosen und gelb blühenden Teichrosen oder Große Mummeln. Meist kommt im Gewässer nur eine der beiden Arten vor. Treten sie gemeinsam auf, dann werden von ihnen voneinander abgegrenzte Bereiche besiedelt.Pflanzen des Ufers
Die einzelnen Arten der Seerosen tragen durch ihre Massenentwicklung und den jährlichen hohen Anfall absterbender Pflanzenmassen zur Verlandung des Gewässers bei. Während sie noch an völlig freie Wasserflächen gebunden sind, können viele Vertreter der sich landwärts anschließenden Klasse der Röhrichte bereits in einem lediglich durchnässten Boden existieren. Sie leiten damit zu den Pflanzen des Ufers und grundwassernahen Landes über. Viel der in diesem Übergangsbereichs wachsenden Pflanzen zeichnen sich durch eine starke Anpassungsfähigkeit ihrer Organe aus. Sie ermöglicht es ihnen, hier als Wasser- oder Landform Fuß zu fassen. Sichtbarer Ausdruck ist die Heterophyllie, d.h. die Ausbildung verschieden geformter Blätter an verschiedenen Teilen des Sprosses.Schilf oder Rohr
Die Klasse der Phragmitetea umfasst das Großröhricht, zu dem als wichtigste Gesellschaft das Teichsimsen-Schilf-Röhricht gehört und das Großseggenried mit dem Steifseggen-Ried, Schnabelseggen-Ried und Schlkseggen-Ries als den wesentlichsten Gesellschaften. Sie alle sind weitere wichtige Aktivposten des Verlandungsprozesses. In erster Linie ist hier das Gemeine Schilf oder Rohr zu nennen, das mit seinem dichten Wurzelstocksystem im Gewässerboden ein regelrechtes Netzwerk bildet und als wichtigster „Verlander“ Gilt. Zu den Charakterarten zählen neben dem Rohr die Gemeine Teichsimse, Gemeine Sumpfsims, das Rohr-Glanzgras und Rohrkolbenarten. Auch die Schwanenblume, Binsen-Schneide und der Kalmus gehören hierher. Am Rande des Schilfgürtels leuchten unübersehbar die hellgelben Blüten der Wasserschwertlilie. Offene Stellen im Schilfwald werden oft völlig vom Gemeinen Froschlöffel besiedelt. Außerdem entdecken wir hier auch den ästrigen Igelkolben, gelegentlich den Teich-Schachtelhalm, der sich bis zum Ufer fortsetzen kann und manchmal sogar dichte geschlossene Bestände, sogenannte „Facies“ bildet. Auf den ersten Blick ähnelt den Schachtelhalmen der meist gesellig auftretende Tannenwedel.
An das Röhricht schließt sich in der
Regel das Großseggenried an. Es leitet entweder zum Erlenbruchwald
über oder zeigt bei kleineren stehenden Gewässern Anzeichen von
Flachmoorbildungen. In vielen Fällen folgen dann Viehweiden. Bie
einer natürlichen, ungestörten Entwicklung läuft die Verlandung
(Alterung) normal ab. Das „sterbende“ Gewässer nimmt innerhalb
dieses Prozesses seinen festen Platz ein und ist nichts
Außergewöhnliches oder Unnatürliches. Übelriechende, weitgehend
von der Vegetation entblößtes Flachgewässer sind dagegen immer
Ausdruck schwerwiegender zivilisationsbedingter Einwirkungen, die dan
natürlichen Alterungsvorgang tiefgreifend verändern, beschleunigen
und vielfach dazu führen, dass solchen Biotopen durch Zuschüttung
ein schnelles Ende bereitet wird. Die vielerorts zunehmende Verödung
des Uferbereiches unserer Gewässer zeigt in alarmierender weise ihre
Funktionsminderung im Naturhaushalt der Landschaft an. Rechtzeitiges
Eingreifen, zielgerichtete Gewässerpflege ersparen
langwierige, kostenaufwendige Sanierungsmaßnahmen.
Anteil am Verschwinden vieler Gewässer
haben auch die für die Intensivierung der landwirtschaftlichen
Produktion zum Teil unumgänglichen Meliorationen. Gerade auf
diesem Sektor sollte künftig besser und sorgfältiger als bisher
jede Entscheidung geprüft und nur in Abstimmung mit den Behörden
für Naturschutz und Landschaftspflege getroffen werden.
Natürliches Vergehen und die menschliche Einflüsse
Dem natürlichen Vergehen und der
Vernichtung durch indirekte und direkte menschliche Einflüsse steht
jedoch die Möglichkeit gegenüber, neue Gewässer zu schaffen.
Bestes Beispiel ist der seit Jahrhunderten betriebene und vornehmlich
von handfesten wirtschaftlichen Interessen getragene Teichbau.
Erwähnungen verdienen natürlich auch die aus wasserwirtschaftlichen
Erfordernissen heraus errichteten großen Speicherbauten, wie
Rückhaltebecken und Talsperren (Stauseen). Neben diesen
gezielten angelegten Gewässern gibt es in unserer Landschaft ein
Reihe von „Sekundärgewässern“, die in aufgelassenen Sand-,
Kies-, Tongruben und Steinbrüchen entstanden sind, zu denen aber
auch Ziegeleingewässer sowie Tagebaurestlöcher zählen. Von ihnen
ergreift die Natur gleichfalls nach und nach Besitz.
Die biologischen Prozesse spielen sich
ein, und die Renaturierung schreitet Zug um Zug voran. Diese Biotope
„aus zweiter Hand“ sind für uns nicht minder wertvoll als
natürlich entstandene Lebensräume. Wir wissen, das z.B. ältere
Sand- und Kiesgruben oft über eine reiche Flora und Fauna verfügen.
Allein aus den letzten Jahren liegt herzu eine breit gefächertes
Spektrum von Untersuchungen vor. Dennoch sind längst nicht alle
Fragen und Probleme gelöst. So eignen sich die in anthropogenen
Sekundärbiotopen entstehenden Gewässer gerade als Studienobjekte,
an denen wir die Dynamik der Entwicklungsprozesse oder den Ablauf der
Neubesiedlung verfolgen können. Die Chance, diese von jeher nur als
potentielle Müllablageplätze gewerteten „Schandflecken“ in der
Landschaft durch geeignete Gestaltungsmaßnahmen in s Gegenteil
umzukehren, wird mehr und mehr erkannt. Einige Länder haben im
Rahmen der Kampagne zur Schaffung neuer Feuchtgebiete schon
Nachahmenswertes geleistet. Es genügt nicht, nach Abschluss der
Förderarbeit eine schlechthin verhältnismäßige naturnahe
Wasserfläche zu hinterlassen. Für ihre weitere Entwicklung und
sinnvolle Eingliederung in die Landschaft ist eine klare
Zielvorstellung erforderlich, aus der sich dann ganz unterschiedliche
Folgearbeiten ableiten. So liegt auf der Hand, dass ein späterer
Badeteich, der in einer Kiesgrube entstehen soll, andere
gestalterische Maßnahmen erfordert als ein unter Naturschutz
stehender und als Forschungsgebiet dienender Biotop. Aber auch die
unmittelbare angrenzenden Flächen sind in die Planung mit
einzubeziehen.














