In Abhängigkeit von den Jahreszeiten
schrumpft und wächst der Raum, den die Wasserpflanzen beanspruchen.
Im Winter sind die Reste der Wasserpflanzen bereits durch die
Tätigkeit der Mikroben in Zersetzung begriffen oder verrottet. Nur
am Gewässerrand bleiben Röhricht und Binsen im abgestorbenen
Zustand noch länger erhalten. Diese vom Menschen seit Jahrhunderten
vielseitig und mit erstaunlichem Geschick genutzte natürliche
Material kann auch bei Frost „geerntet“ werden.
Wie Überwintern Wasserpflanzen?
Bei vielen Wasserpflanzen überwintern
nur die Wurzelstöcke (Rhizome). Sie sind am Gewässergrund vor dem
Erfrieren geschützt und stellen im Frühjahr die zur Entfaltung der
Pflanze erforderlichen Nährstoffe bereit. In dieser Form überdauern
z.B. das Gemeine Schilf (phragmites australis), der Rohrkolben
(Typha), einige Laichkraut-Arten (Potamogeton), der Fieberklee
(Menyanthes trifoliata) und der giftige Wasserschierling (Cicuta
virosa), dessen knolliger, hohler Wurzelstock durch Querwände
gekammert ist, die kalte Jahreszeit.
Eine große Zahl von Wasserpflanzen
bildet Winterknospen (Hibernakeln, Turionen), die bereits im
Herbst angelegt werden. Zu diesem Zeitpunkt lässt das Längenwachstum
der Sprosse nach. Es entstehen Kurzsprosse mit kleinen,
nährstoffreichen, dicht aneinandergedrängt sitzenden Blättern
(Niederblätter).
Die walzen-, kugel- oder birnenförmigen
Hibernakeln können sich von der Mutterpflanze lösen und zu Boden
sinken, oder sie werden von der absterbenden Pflanze mit auf den
Grund des Gewässers hinabgezogen. Hier bleiben sie dann bis zum
Frühjahr liegen. Bei der Krebsschere (Stratiotes aloides)
z.B. entstehen die Winterknospen in den Blattachseln, dem
Quirl-Tausendblatt (Myriophyluum verticillatum) außerdem an den
Sproßenden, bei anderen Arten nur dort.
Im Spätsommer beginnt auch die durch
ihre dicken Teppiche bekannte Vielwurzelige Teichlinse (Spirodela
polyrhiza) besondere Wintersprosse auszubilden. Gegenüber den
Sommersprossen sind sie mit einem Durchmesser von etwa 2mm kleiner,
etwas dunkler und besitzen nur 2 bis 3 winzige Wurzeln. Die dunklere
Färbung ist auf den vermehrten Gehalt an Reservestärke
zurückzuführen, der gleichzeitig das spezifische Gewicht der
Pflanze erhöht, sodass ihre Schwimmfähigkeit verlorengeht. Dadurch
sinkt sie auf den Grund des Gewässers, wo sie mit geschlossenen
Spaltöffnungen unbeschadet überwintert.
Alle bisher erwähnten
Überdauerungsorgane waren vegetative Bildungen. Darüber hinaus kann
die Winterperiode auch mit Samen überdauert werden, die durch ihre
Wasseratmung und schützende Schale gegen Kälte und Frost in hohem
Maße unempfindlich sind. Diese Form der Überwinterung findet man
z.B. bei der vielerorts im Rückgang begriffenen Wassernuss (Trapa
natans), deren vierstachelige braune Steinfrüchte eigentlich
unverkennbar sind.
Wasserpflanzen nach der Überwinterungs
Die Wärme des Vorfrühlings sprengt
das einförmige winterliche Bild. Überall am Gewässer herrscht
wieder Leben. Geradezu explosionsartig entfaltet sich das frische,
zarte Grün. In Tagen bis Wochen erobern die Pflanzen aufs neue ihren
Lebensraum. Dabei sind die Chancen recht ungleich verteilt. Unter den
Wasserpflanzen verfügen die mit einem Wurzelstock überwinternden
Arten über ein ausgezeichnete Ausgangsposition. Ihr Siedlungsbereich
ist bereits fest vorgegeben. Für die Schwimmblattarten unter ihnen
gilt es vor allem, die Blätter schnell zur Wasseroberfläche empor
zu treiben. Doch damit nicht genug. Durch Wurzelstocksprossen erobert
beispielsweise das Röhricht ständig neues Terrain. Jahr für
Jahr vergrößert sich so seine Bestandsfläche beachtlich.
Aber auch Arten mit weniger günstigen
Voraussetzungen, die jedoch zu dieser Pflanzengesellschaft gehören,
finden dadurch ein Fortkommen. Sobald das Röhricht durch Weide-,
Bootsbetrieb oder anderweitigen Einwirkungen zurückgedrängt wird,
breiten sich in diesem Bereich sofort die bislang unterlegenen Arten
aus. Reiche Schwimmblattbestände beschneiden der submersen durch
Bisamrattenfraß bzw. phytophage Insekten gelichtet sind, nutzen die
Unterwasserpflanzen ihre Chance. Manche nährstoffreiche Teiche
und Weiher weisen im Frühjahr durch die rasche
ungeschlechtliche Vermehrung (Sprossung) der vom Gewässerboden
aufgestiegenen Wasserlinsen eine dichte Wasserlinsenschicht auf, die
keinen weiteren Pflanzenwuchs mehr ermöglicht.
Doch auch niedere Pflanzen ringen um
den Raum. Im Frühjahr sind es vor allem Kieselalgen, die eine
Massenentwicklung erfahren. Bei gutem Nährstoffangebot kann es dann
im Sommer zu einem Grünalgenmaximum kommen. Diese enorme
Biomassenproduktion führt zur Bildung dichter Algenwatten, durch
deren Last bei entsprechendem Wellengang das Schilf auf der
Wasserseite regelrecht abgeknickt werden kann.
Zu einer Zeit, in der die Vegetation
der Teiche und Weiher am üppigsten entwickelt und der gesamte
Wasserkörper von ihr durchdrungen ist, trocknen meist die temporären
Gewässer aus. Auf diese Verhältnisse haben sich verschiedene Arten,
besonders die Sumpfpflanzen, eingestellt. Sie können sowohl als
Wasser- wie auch als Landform existieren. Ihre Plastizität kommt in
den verschiedenen Blattformen, die in Anpassung an die gegebene
Situation ausgebildet werden, zum Ausdruck.
Eroberung des Lebensraumes, das
bedeutet nicht nur Besiedlung des bereits vorhandenen, sondern auch
das Besitzergreifen von neu entstandenen Gewässern. Erstaunlich, in
welchem relativ kurzen Zeitraum die ersten Siedler auftreten. Am
wenigsten überrascht wohl, wie schnell die durch Dauerstadien
sprichwörtlich leichte verbreitbaren pflanzlichen Einzeller den
neuen Wasserkörper in Besitz nehmen. Oft stellen sich auch höhere
Wasser- und Sumpfpflanzen, die durch den Wind (Samen) und vor allem
durch Tiere verbreitet werde, ziemlich rasch ein. Dabei zählen zu
den Pioniersiedlern nicht immer nur „Allerweltspflanzen“, sondern
mitunter ausgesprochene Seltenheiten. So wurde z.B. in einem sandigen
Ufer eines Gewässers in Deutschland einst der Pillenfarn
(Pilularia globulifera) nachgewiesen. Eine Kostbarkeit unter den
mitteleuropäischen Pflanzen.








